Warum kultursensible Pflege?

Zuwanderung und Integration sind zu wichtigen Themen, nicht nur der deutschen, sondern auch der europäischen Politik geworden. Somit hat das Interesse an der Migration öffentlich als auch politisch zugenommen. Migration ist jedoch kein neues Thema und Wanderung kein neues Phänomen, sondern seit jeher ein konstitutiver Bestandteil des menschlichen Lebens.

Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte

Die Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte in den 60er und 70er kann als hochselektiver Prozess bezeichnet werden. Es wurde über Anwerbekommissionen in den Anwerberländern angeworben. Die wichtigsten Anwerbungskriterien waren dabei die Qualifikation und vor allem der Gesundheitszustand der Arbeitskräfte. Durch die gesundheits- und qualifikationsbezogene Selektion im Anwerbeverfahren bedingt, handelte es sich bei der damaligen Gastarbeiterpopulation um jüngere, gesundheitlich wenig belastete und hoch motivierte Personen. Dass die Gastarbeiter sich hier heimisch fühlen und bleiben würden, war zu Beginn der Zeit der Anwerbungskampangnen und Einwanderungswellen weder für die Gastarbeiter noch für die Regierung vorstellbar.

Wie sieht es heute aus?

Mittlerweile ist klar, dass viele der damaligen Gastarbeiter, der heutigen Arbeitsmigranten, in Deutschland ein hohes Alter erreichen, pflegebedürftig werden und auf die Hilfe der dafür zuständigen Institutionen angewiesen sind. Zunehmend können die Angehörigen die Pflege alt gewordener Familienmitglieder nicht mehr übernehmen, diese werden auf Hilfe angewiesen sein.

Das deutsche Pflegepersonal im Gesundheitswesen ist zunehmend mit diesen Patienten konfrontiert, deren soziale Praxis, Wertvorstellungen und Handlungskonzepte sie als „fremd“ erfahren und die sie infolgedessen verunsichern. Zudem kommt noch erschwerend dazu, dass viele Patienten der deutschen Sprache nicht oder nur mangelhaft mächtig sind. Zeitnot, Arbeitsbelastung und mangelnde transkulturelle Kenntnisse erschweren die Entwicklung alternativer Herangehensweisen. Die Flucht in eine distanzierte Haltung und die Reduktion auf eine minimale Behandlung bzw. Pflege, die nur noch das absolut Notwendige leistet, erscheinen als einzig gangbare Alternative. Dies führt dazu, dass wichtige Zusammenhänge in den Lebensrealitäten und Krankheitserfahrungen von Migranten nicht wahrgenommen werden und Ärzte und Pflegepersonen oft keine auf deren Bedürfnisse angepasste Behandlung bzw. Pflege anbieten können. Um den Bedürfnissen gerecht werden und professionell handeln zu können, ist eine transkulturelle Kompetenz der Ärzte und Pflegenden notwendig.

Klar ist, dass es kulturelle Unterschiede zwischen Einheimischen und Migranten gibt. Um mit den eingewanderten Klienten adäquat arbeiten zu können, müssen deren Biografie und Herkunftsland berücksichtigt werden, medizinisches Personal und Pflegekräfte sollten Kenntnisse über die Kulturellen Hintergründe ihrer Klienten erwerben und Interventionsstrategien lernen und einüben. Es bedarf eines speziellen Pflegeverständnisses, das auf einem neu entwickelten Pflegemodell gründen muss. Doch scheinen Forderungen, sich bei der Pflege von Migranten auf deren Bedürfnisse einzustellen, im Altenpflegesystem weder von vielen Einrichtungen noch vom Personal beachtet zu werden.

Der demographische Wandel

Nimmt man den demografischen Wandel in Nordrhein-Westfalen, so lag der Anteil der Ausländer im Jahre 2004 bei 10,7% und wird voraussichtlich im Jahre 2015 auf 13% steigen. Türkische Migranten bilden mit gut einem Drittel die größte Nationalitätengruppe. In Bezug auf die Alterung wird sich in Zukunft die Bevölkerung mit Migrationshintergrund der ohne Migrationshintergrund angleichen, so dass beim Pflege- und Unterstützungsbedarf vergleichbare Entwicklungen erwartet werden können.

In den kommenden Jahrzehnten wird die Übernahme der Pflege durch Angehörige weiter zurückgehen. Dies wird dann auch bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund zu höherer Inanspruchnahme professioneller Dienste führen. Zurzeit scheuen sich türkische Familien, ihre Angehörigen in Alten- und Pflegeheime unterzubringen. Die Unterstützungspotentiale der Familien werden in Zukunft jedoch überfordert werden (beengte Wohnverhältnisse, verstärkter Pflegebedarf z.B. Demenz). Somit dürfte es auch bei den Migranten zu immer größerer Nachfrage nach Pflegeangeboten kommen. Bereits jetzt schon wird der aktuelle Bedarf nicht adäquat durch die pflegerische Infrastruktur gedeckt.

Falls Sie weitere Fragen zum Thema Kultursensible Pflege haben, können Sie sich gerne mit mir in Verbindung setzen.

Ihr Vahap Canbay (Geschäftsleiter)
Emscherhüttenstr. 11, 47119 Duisburg
Telefon 0203 – 98591117
eMail info@kusep.de
Internet www.kusep.de

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